von Stefan Meißner

Der See Genezaret im Norden Israels
Literatur
Wolfgang
Zwickel: Einführung in die biblische Landes- und Altertumskunde
Darmstadt 2002, bes. S.13-22
Es
gibt verschiedene Bezeichnungen für das Heilige Land. Die älteste
davon ist Kanaan, die inschriftlich schon bei Ausgrabungen im syrischen Ebla
(3.Jhrt.v.Chr.) nachgewiesen werden konnte. Die Etymologie des Wortes deutet
hin auf die Gewinnung von rotem Farbstoff aus der Purpurschnecke - einer der
frühen Einnahmequellen des Landes. Die Bezeichnung Palästina weist
das Land als Siedlungsgebiet der Philister (plischtim)
aus. Erstmals begegnet der Begriff bei dem griechischen Historiker Herodot
(5. Jhd.v.Chr.). Offizieller Name wurde er erst 135 n.Chr., als die Römer
nach der Niederschlagung des zweiten jüdischen Aufstandes die Provinz Judäa
in Palästina umbenannten. Israel im engeren Sinn war einst die Bezeichnung
für das Nordreich nach der Teilung des davidisch-salomonischen
Großreiches. Es taucht aber auch als Beiname des Ahnvaters Jakobs
auf (Gen 32). Seine Nachkommen erhielten folgerichtig den Namen „Söhne
Israels“ (bene jisrael), von Luther einfach als „Israeliten“
wiedergegeben. Von hier aus erklärt sich der weitere Sinn von Israel als
Bezeichnung für das ganze jüdische Volk. Von „eretz jisrael“
(„Land Israel“) ist freilich eher im rabbinischen Schrifttum als
in der Bibel die Rede. Judäa, wovon sich der Begriff Juden bzw. Judentum
ableitet, ist urspr. der Name eines Gebirges im Süden des Landes (Jerusalem,
Hebron). Geographisch ist das Land Israel Teil des sog. fruchtbaren Halbmondes,
einer Landbrücke zwischen den Hochkulturen im Zweistromland (bes. Assyrer,
Babylonier) und Ägypten. Durch diese Brückenlage war es immer Interessens-
und Durchmarschgebiet der antiken Großmächte. Nur in Zeiten der Schwäche
dieser Nachbarn konnte sich vorübergehend ein unabhängiges jüdisches
Gemeinwesen in dieser Region etablieren.
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Die
Topographie des Landes ist überwiegend bergig oder doch zumindest hügelig.
Die dadurch bedingte starke Zergliederung ermöglichte eine Vielfalt von
Landschaftsformen und Klimazonen auf engstem Raum. Denn eigentlich ist das Land
nicht sehr groß: Das besiedelte Gebiet von Dan bis Beersheva misst nur
250 km, vom Mittelmeer bis zum Jordan
sind es nicht einmal 60 km. Ganz im Westen ist Israel durch das Mittelmeer begrenzt,
an dem sich nur wenige gut geschützte Naturhäfen (Gaza, Aschkelon,
Yaffo, Akko) finden. Die Küstenebene ist abgesehen von den Dünen im
Süden heute fruchtbar, war früher aber sumpfig und für die Besiedlung
und Bewirtschaftung deshalb wenig tauglich. In nord-südlicher Erstreckung
ist das Land durchzogen von einer Gebirgskette, die zugleich die Wasserscheide
darstellt. Die feuchten Südwestwinde im Winterhalbjahr stauen sich am Gebirge
und regnen sich westlich davon ab. Das Galiläische Bergland im Norden (500-1200m)
ist getrennt vom mittel- u. südpalästinischen Bergland (Ephraim, Juda;
max.1028m) durch die äußerst fruchtbare Jesreel-Ebene. Die palästinische
Gebirgskette fällt im Westen sanft ab zu einem Hügelland, das Schefela
genannt wird und ebenfalls gute landwirtschaftliche Voraussetzungen aufweist.
Nach Osten fällt das Gelände zum Jordan
hin steiler ab zur zerklüfteten Steinwüste Juda.
Der Jordangraben selbst ist Teil des syrisch-afrikanischen Grabenbruchs. Im
Norden, in der Gegend um den fischreichen, in seinen Tiefenschichten noch salzigen
See Genezareth, ist das Klima
subtropisch. Je weiter man dem Jordan nach Süden folgt, desto geringer
wird die Niederschlagsmenge. Im Süden mündet der Jordan in das extrem
salzhaltige Tote Meer, das mit
ca. 400 m u.d.M. der tiefste Punkt der Erdoberfläche ist. Die Senke südlich
des Toten Meeres nennt man Arava. Sie erstreckt sich bis nach Eilat am Roten
Meer, ist sehr heiß und trocken (jährl. Niederschläge unter
25 mm). Die Landschaft südlich von Beersheva wird auch als Negev
(= „Süden“) bezeichnet. Diese Wüste bzw. Halbwüste
war in biblischen Zeiten, abgesehenen von wenigen viehzüchtenden Nomaden
landwirtschaftlich kaum nutzbar. Das Ostjordanland, das nördlich von Amman
durchaus fruchtbar ist, geht langsam über in die syrisch-arabische Wüste,
von wo im Frühjahr u. Herbst ein gefürchteter heißer Wind (arab.
„chamsin“/ hebr. „scharab“) weht. Hält er zu lange
an, kann er die zarten Getreidehalme im Frühjahr zerstören. Auch lang
anhaltende Trockenzeiten gefährdeten in biblischen Zeiten die Ernte. Bewässerungssysteme
wie das heutige Negev-Kinneret-Aquädukt waren damals in Palästina
noch kaum vorhanden. So wundert es kaum, dass in der Religion der ursprünglichen
Landesbewohner, der Kanaanäer, die Fruchtbarkeit das zentrale Thema darstellte.
NASA-Luftbild von Israel
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Literatur
Alberto Soggin: inführung in die Geschichte Israels und Judas, S. 12-15
Ein
Großteil der Berge und Hochebenen war in biblischen Zeiten noch bewaldet.
Rodungen zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen lassen sich schon
im schon im 2. Jahrt. beobachten. Später wurden Wälder auch abgeholzt,
um Holz für den Schiff- oder Hausbau zu beschaffen. Es gab im alten Israel
eine Vielzahl von Büschen, Sträuchern und Wildkräutern. Ackerbau
ist in Jericho schon seit dem 8. vorchristlichen Jahrtausend bezeugt. Der Kornanbau
war nach heutigen Maßstäben noch recht uneffizient. Man kann davon
ausgehen, dass ein Sechstel der Ernte als Saatgut zurückbehalten werden
musste. Sinuhe der Ägypter (1950 v.Chr.) schreibt: „Das Land hatte
mehr Wein als Wasser, besaß viel Honig und reichlich Öl“. Vor
allem Öl war einer der wichtigsten Exportartikel des Gelobten Landes. In
der Philisterstadt Ekron fand man 113 Ölpressen, die allein in der Lage
gewesen wären, ein Fünftel der Ölexportes des heutigen Israels
zu verarbeiten.
Weitere landwirtschaftliche Produkte des Landes waren Feigen, Mandeln, Granatäpfel (siehe Foto!), Maulbeeren, Nüsse, Pistazien, Dattelpalmen, sowie verschiedene Gemüsesorten wie Bohnen, Linsen und Gurken.

Steinbock im Ramonkrater (Negev)
In Israel dominierte in biblischen Zeiten die Kleinviehhaltung (Schafe, Ziegen), seltener waren Rinder als Zug- u. Transporttiere oder Esel als Lasttiere. Ebenso selten hielt man Pferde, mit Ausnahme des Hofes Salomos, wo man diese Tiere (vielleicht zum Export) züchtete. Seit dem 1100 v.Chr. wurde, von Arabien herkommend, das Kamel in Israel heimisch. An wilden Tieren wird in der Bibel u.a. Wolf, Hyäne, Wildkatze, Fuchs, Wildschwein, Hase, Steinbock und Dachs erwähnt. Heute ausgestorben, aber früher auch dort zuhause sind Bär und Löwe.
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Bildnachweis
See Genezareth: Stefan Meißner (C)
Steinbock: http://commons.wikimedia.org/wiki/File:YaelRamon_ST_07.JPG, Foto:
Ester Inbar (C)