Jom Kippur - Der große Versöhnungstag

von Stefan Meißner

Lomir sich iberbetn, iberbetn,
was schtejs du baj der Tir?
Lomir sich iberbetn,
gib nor a Kuck ojf mir!

Lomir sich iberbetn, iberbetn,
gnug schon sejn wie gojim.
Lomir sich iberbetn,
lomir sejn chawerim.

Lomir sich iberbetn, iberbetn,
Kojf an Fund Pistaschkess!
Lomir sich iberbetn,
Schenk mir dajne Lasskess!

Lomir sich iberbetn, iberbetn,
schtel den Samowar!
Lomir sich iberbetn,
Saj-she nit kejn Nar!

Lomir sich iberbetn, iberbetn,
was schtejs du baj der Tir?
Lomir sich iberbetn,
kum arain tsu mir!

Lomir = Lasst uns

iberbeten = versöhnen
kuck = Blick

Gojim = Heiden
chawerim = Freunde, Gefährten

 

Pistaschkess = Pistazien

Lasskess = Gunst

 

10 Tage nach Rosch Ha-Schana, am 10. Tischri, feiert man im Judentum den höchsten aller Feiertage: den Jom Kippur. An diesem Tag, an dem 24 Stunden weder gegessen noch getrunken werden darf, sollen alle zuvor begangenen Sünden gesühnt werden. Hierzu sucht man Menschen auf, mit denen man sich im Laufe des Jahres überworfen hatte, und bittet sie um Verzeihung. Manchmal werden dabei kleine Versöhnungsgeschenke mitgebracht. Erst wenn man sich mit ihnen ausgesöhnt hat, kann man auch Gott um Vergebung bitten.

Mehr noch als am Rosch-ha-Schana ist die Stimmung an Jom Kippur ernst und nachdenklich. Als Zeichen von Buße und Bescheidenheit verzichtet man an diesem Tag auf das Baden und Einparfümieren. Stattdessen trägt man als Zeichen der eigenen Vergänglichkeit das Sterbehemd ("Kittel"). Ein alter Brauch ist es, Kerzen für die verstorbenen Angehörigen zu formen, die unter Gebeten angezündet werden. Während der Besuch des Friedhofs an diesem Tag weit verbreitet ist, praktizieren nur wenige noch das Kapporet-Schlagen: Man rezitiert Sühnegebete und schwingt dabei einen Hahn über den Kopf, den man danach schlachtet und den Armen gibt.

Der Synagogengottesdienst am Vorabend des Festes beginnt mit dem ergreifenden Kol-Nidre-Gebet (kol nidre = hebr.: "alle Gelübde"). Die Festrolle für diesen Tag ist das Jona-Buch, in dem es auch um Umkehr und Vergebung geht. Am folgenden Tag wird aus Lev 16 gelesen, wo der heute nicht mehr paraktierte Sündenbock-Ritus beschrieben wird.

Das Fest endet mit dem Sprechen des Hawdala-Gebets und dem Blasen des Schofars (= Widderhorn). Nach Sonnenuntergang darf das Fasten endlich gebrochen werden, oft mit einem Festessen im Kreis der Familie. Allmählich kehrt der Alltag wieder ein.

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