Kirchen und Friedensinitiativen in der Pfalz erinnern an NS-Opfer

Speyer/Neustadt. Gedenkfeiern für die Opfer des Nationalsozialismus veranstalten anlässlich des 65. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am 27. Januar protestantische und katholische Kirchen sowie die Friedensinitiative Neustadt. Die Feiern in der Neustadter Stiftskirche und in der Speyerer Heiliggeistkirche werden von Schülern mitgestaltet.

Im Mittelpunkt der Veranstaltungen „Erinnern, Gedenken, Mahnen“ in der Heiliggeistkirche in Speyer stehen in diesem Jahr Sinti und Roma. Die Gedenkfeier beginnt am 27. Januar um 18.30 Uhr. Veranstalter sind die Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evangelischen Kirche der Pfalz, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, die Katholische Erwachsenenbildung, die Stadt Speyer und der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Rheinland-Pfalz.

Vom 28. Januar bis 11. Februar werden Ausstellungen mit den Titeln „Die Überlebenden sind die Ausnahme. Der Völkermord an den Sinti und Roma“ sowie „Dieses Handwerk habe ich von meinem Vater gelernt. Zur Tradition des Geigenbaus der Sinti und Roma“ gezeigt. Das Kinder- und Jugendtheater Walldorf führt am Samstag, 30. Januar, 15 Uhr, „Elses Geschichte. Ein Mädchen überlebt Auschwitz" auf. Jacques Delfeld, Vorsitzender des rheinland-pfälzischen Landesverbands der Sinti und Roma, referiert am Mittwoch, 3. Februar, 19.30 Uhr, zum Thema „Sinti und Roma – eine deutsche Minderheit“. Franz Georg Rössler spricht am Mittwoch, 10. Februar, 19.30 Uhr, über „Sinti, Roma und die Musik“.

In der Städtischen Galerie Kulturhof Flachsgasse in Speyer wird vom 27. Januar bis 11. April eine Ausstellung über das Internierungslager Gurs in Südfrankreich gezeigt. Titel: „Hinschauen – nicht Wegsehen!“. Eröffnung ist am 26. Januar, 18 Uhr, im Historischen Ratssaal der Stadt Speyer.

In Neustadt beginnt die Feier „Gedenken und Mahnen“ in der Stiftskirche am Mittwoch, 27. Januar, um 18 Uhr. Eine Wanderausstellung über die NS-Zwangsarbeit in Deutschland wird im Anschluss von einem Vertreter des polnischen Generalkonsulates eröffnet. Die Schau ist eine Leihgabe der Stiftung „Deutsch-Polnische Aussöhnung“ aus Warschau und läuft bis 15. Februar, erklärt der Neustadter Gemeindediakon Eberhard Dittus. Ebenfalls in der Stiftskirche wird am Mittwoch, 3. Februar, 19 Uhr, der Spielfilm „Das Heimweh des Walerjan Wrobel“ gezeigt. Veranstalter sind Evangelische und Katholische Kirche, die Friedensinitiative und die Stadt Neustadt.

Die Stadt Mannheim wird am Mittwoch, 27. Januar, 19.00 Uhr im Stadthaus N 1, Ratssaal, mit einer Gedenkveranstaltung an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Im Mittelpunkt stehen in diesem Jahr "Homosexuelle Opfer des Nationalsozialismus in Mannheim". Vortrag, Prof. Dr. Peter Steinbach, Professor für Neuere und Neueste Geschichte an der Universität Mannheim, wissenschaftlicher Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Leiter der Forschungsstelle Widerstand

Mit einer Kranzniederlegung, einer Ausstellung, einer Filmvorführung, einem Konzert und einer Lesung erinnert die Stadt Ludwigshafen am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus. Am 27. Januar, 12 Uhr, legt Oberbürgermeisterin Dr. Eva Lohse im Hof der Maxschule, Schulstraße, einen Kranz zum Gedenken nieder. Von diesem Platz aus wurden Ludwigshafener Juden am 22. Oktober 1940 ins Lager Gurs nach Südwestfrankreich deportiert. Schülerinnen und Schüler des Carl-Bosch-Gymnasiums gestalten das Programm.
Um 17.30 Uhr wird im Stadtmuseum Ludwigshafen in Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis Stolpersteine die Ausstellung "Leben im Exil" von Kulturdezernentin Prof. Dr. Cornelia Reifenberg eröffnet. Auf Tafeln wird das Schicksal jüdischer Familien aus Ludwigshafen, die ins Exil gehen mussten, dargestellt. Adolf Wetzlar, Lehrer an der Oberrealschule Jaegerstraße (heute: Carl-Bosch-Gymnasium) wurde 1945 im Vernichtungslager Auschwitz ermordet. Der Schüler Rudolf Goldmann flüchtete mit seinen Eltern nach Sao Paulo in Brasilien, Anna und Max Diamant nach Mexiko. Edgar Strauß überlebte in Kanada, Max Leva und Ursula Michel fanden in England eine neue Heimat. Angehörige von Ursula Michel werden bei der Ausstellungseröffnung anwesend sein.

Nach dem offiziellen Auftakt spielt die Gruppe Trazz mit Herbert Adam (Gitarre) und Roland Wenz (Klarinette und Altsaxophon). Thomas Hoffmeister-Höfener erzählt jüdische Geschichten. Die Gruppe Trazz verbindet in ihrer Musik Elemente aus Jazz, Klassik und Klezmer.

Das Ernst-Bloch-Zentrum zeigt am 27. Januar gemeinsam mit dem Geschwister-Scholl-Gymnasium Ludwigshafen den Film "Am Ende kommen Touristen". Der Film wird außerdem am Dienstag, 26. Januar, 19.00 Uhr, in einer öffentlichen Vorführung im Ernst-Bloch-Zentrum gezeigt. Er beschäftigt sich mit der Gedenkstätte Konzentrationslager Auschwitz, zeigt aber auch den Alltag in der polnischen Kleinstadt Oswiecim, den Optimismus der Jugend im neuen Europa, ihre Sehnsüchte und Ängste, ihre Toleranz und ihren Respekt.

Am Sonntag, 7. Februar, 11 Uhr, erinnert Doris Diamant-Siebert im Stadtmuseum an weitere Exilgeschichten. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist frei. Um eine Spende wird gebeten.

Zum Nationalen Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus organisiert der Förderverein für jüdisches Gedenken Frankenthal zwei Veranstaltungen in der Zwölf-Apostel-Kirche:

Mittwoch, 27. Januar 2010 19.30 Uhr Zwölf-Apostel-Kirche Carl-Theodor-Straße
Der Schüler- und Elternchor der Freien Waldorfschule Frankenthal singt das Werk „Agnus Dei“ von Karl Jenkins aus „The Armed Man: A Mass for Peace“. Musiklehrer Harald Buchta begleitet auf der Orgel.
Schülerinnen und Schüler des Karolinen-Gymnasiums sprechen Texte zum Thema.
Der Film „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“ schildert das Leben der Jüdin Erna Korn, die am 21. Oktober 1923 in Kaiserslautern geboren wurde. Während ihre Mutter im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau ermordet wurde, überlebte sie das Konzentrationslager Ravensbrück. Der Eintritt ist frei.

Donnerstag 28. Januar 2010 19.30 Uhr Zwölf-Apostel-Kirche Carl-Theodor-Straße
Konzert „Jüdische Geschichten und Musik“ mit dem Geschichten-Erzähler Thomas Hoffmeister-Höfener und dem Duo TRAZZ mit Herbert Adam (Gitarre) und Roland Wenz (Klarinette und Altsaxophon).
Eintritt 5 Euro (kein Vorverkauf)
In kaum einer anderen Kultur war das Erzählen so wichtig und lebendig wie im Judentum. Immer wieder galt es in der von Leid geprägten Geschichte des jüdischen Volkes, die eigenen Traditionen zu wahren und sich ein Stück Hoffnung zu geben. Die im Laufe der Jahrhunderte entstandenen Geschichten sind keine Märchen im engeren Sinne, eher kleine Episoden über Sinn und Unsinn der Welt. Diese Tradition gibt der Theologe und Geschichtenerzähler Thomas Hoffmeister-Höfener weiter. Er wird musikalisch begleitet vom Duo TRAZZ. Der Name steht für eine Mischung aus Tradition und Jazz. Inspiriert von der jüdischen Klezmermusik wird das improvisationsfreudige Duo an diesem Abend die vielfältige Facetten der Erzählungen musikalisch aufgreifen und bei den Zuhörern nachklingen lassen.

Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 ein offizieller Gedenktag für die Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft. Vor 65 Jahren waren die überlebenden Häftlinge des Vernichtungslagers Auschwitz von Soldaten der Roten Armee befreit worden.

Alternative Stadtführungen unter dem Thema „Jüdische Spuren“ bieten Schüler in Neustadt nach Absprache an. Weitere Informationen bei Eberhard Dittus, Protestantisches Dekanat Neustadt, Telefon 06321 / 39 89 34, E-Mail: eberhard.dittus@evkirchepfalz, im Internet unter www.friedensforum-neustadt.de. Auskunft über die Veranstaltungen in Speyer gibt Thomas Sartingen von der Katholischen Erwachsenenbildung in Speyer, Johannesstraße 8, Telefon 06232 / 67 73 30, E-Mail: keb@bistum-speyer.de. (lk)

Quelle: EVANGELISCHE KIRCHE DER PFALZ (Protestantische Landeskirche)
Presse- und Öffentlichkeitsreferat, Domplatz 5, 67346 Speyer, Tel. 06232/667145

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